München, 09.02.2026 – Die Bekämpfung der weltweit jährlich 1,27 Millionen Todesfälle durch antimikrobielle Resistenzen (AMR) erfordert ein radikales Ende des „Silo-Denkens“, massive Investitionen in Prävention, Forschung und Bildung sowie eine konsequente „One-Health“-Strategie. Das geht aus der Panel-Diskussion „Umsetzung jetzt: die Bevölkerung vor tödlichen Keimen schützen“ im Journalisten-Club des Axel-Springer-Hochhauses hervor. Ende Januar haben Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Möglichkeiten gesprochen, antimikrobielle Resistenzen in Deutschland effektiv zu bekämpfen.
AMR-Panel bei Politico und Essity: Nur gemeinsam lassen sich tödliche Keime bekämpfen
Sektorübergreifende Maßnahmen zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen (AMR) – das forderte ein hochkarätig besetztes Panel aus Politik, Wissenschaft und Industrie auf Einladung des führenden Gesundheits- und Hygieneunternehmens Essity und des Nachrichtenmagazins Politico in Berlin.
Globaler und vernetzter denken
Eingeleitet wird das Gespräch durch eine Keynote von Simone Borchardt, Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss (CDU/CSU-Bundestagsfraktion): „Wenn wir über AMR sprechen, müssen wir globaler und vernetzter denken und handeln“, sagte Borchardt. Die Gesundheitspolitik mache deutlich, dass noch ein zu starkes „Silo-Denken“ vorherrsche. Sie plädiert dafür, den Kampf gegen AMR klar im Sinne des “One‑Health”‑Ansatzes zu denken: „Mensch, Tier und Umwelt sind untrennbar miteinander verbunden.“ Zugleich sei es notwendig, wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Entwicklung neuer Antibiotika und diagnostischer Verfahren wieder attraktiv machten, da Reserveantibiotika „aus guten Gründen nur selten eingesetzt werden sollen.“
Dr. Franziska Kersten, Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion und Co-Vorsitzende des Parlamentarischen Arbeitskreises AMR, plädiert auf dem Podium ebenfalls dafür, Silos aufzubrechen: „Wir müssen beginnen, Gesundheits-, Umwelt- und Landwirtschaftspolitik für AMR zu sensibilisieren. ” Sie verwies darauf, “dass 70 Prozent der neu auftretenden Infektionen Zoonosen sind.“ Kersten hebt zudem die Bedeutung des neuen Aktionsplan DART 2030 hervor, der eine flächendeckende Erstattung von Tests zur Unterscheidung bakterieller und viraler Infektionen vorsieht.
Dr. Stephan Pilsinger, CSU-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, bekräftigt die Notwendigkeit, wirtschaftliche Anreize für die Entwicklung von Reserveantibiotika zu schaffen, da derzeit ein europa- und weltweites Problem mit fehlendem Absatz bestehe. Um eine rationale Therapieentscheidung zu ermöglichen und unnötige Verordnungen zu vermeiden, setzt Pilsinger auf Point‑of‑Care‑Diagnostik wie CRP‑Schnelltests. Diagnostik sei ein entscheidender Faktor, um Fehlanreize zu reduzieren und Versorgung sicherer zu machen: „Antibiotika schaden, wenn man sie falsch einsetzt.“
“One-Health” müssen wir leben
Dr. Isabel Henkel, Global Director Market Access bei Essity, spricht sich für eine Erweiterung der Lösungsansätze aus. „Die Medizinprodukteindustrie verfügt über Lösungen, in unserem Fall Verbandmittel und Wundauflagen mit physikalischem Wirkprinzip, die eingesetzt werden können, um Infektionen wirksam zu verhindern.“ Im Bereich chronischer und infektionsanfälliger Wunden können durch ausgebildete Wundmanager*innen und der finanziellen Förderung innovativer Lösungen wie etwa DACC-Wundauflagen Infektionen frühzeitig behandelt oder ganz vermieden werden. Gleichzeitig weist sie auf erhebliche Umsetzungsdefizite in nationalen und internationalen AMR-Strategien hin: „Nationale Pläne zur Bekämpfung von AMR sind wertlos, wenn sie nicht konsequent umgesetzt werden.“ Henkel fordert, dass Medizinproduktehersteller stärker in die gesundheitspolitische Planung und Umsetzung einbezogen werden sollten, da ihre Lösungen entscheidend für Infektionsprävention und Versorgungsqualität sind.
Prof. Dr. Irit Nachtigall, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin (Vertreterin Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH), hebte strukturelle Defizite in Ausbildung und klinischer Praxis hervor. Im Medizinstudium gebe es „kaum Infektiologie und noch weniger Antibiotic Stewardship“, was die verantwortungsvolle Anwendung neuer und bestehender Wirkstoffe erschwere. Zugleich kritisiert sie erhebliche Schwächen im Bereich klinischer Hygiene: „Hygiene hat keine Lobby – und wir sind in Deutschland nicht besonders gut darin.“ Die Ausbreitung multiresistenter Erreger zeige sich immer wieder in vermeidbaren Clustern.”
Die Diskussionsrunde unterstreicht: Die Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen erfordert eine radikale Abkehr vom Status Quo und eine konsequente „Umsetzung jetzt“, auch des Aktionsplans DART 2030. Es bedarf nicht nur einer interdisziplinären und globalen Zusammenarbeit, sondern auch einer verstärkten politischen Priorisierung. Die Panelist*innen forderten substantielle Investitionen in Aufklärung, Prävention und die Entwicklung wirksamer Lösungen in Pharma und Medizintechnik. Nur so kann das erklärte Ziel, „die Bevölkerung vor tödlichen Keimen zu schützen“ erreicht werden.
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